Beim Abschied fast den Tränen nahe

Beim Abschied fast den Tränen nahe
Von Andreas Klamm
Römerberg. – Jutta Kühn war im Gemeindesaal fast den Tränen nahe. „Wenn ich jetzt gehe, dann bedeutet das Veränderung und nicht das Ende. Es wird ein neuer Anfang sein“, tröstete sie in ihrer kurzen, ergreifenden Rede. Nach zehn Jahren als Chorleiterin des protestantischen Kirchenchors legte die 32-Jährige am Sonntagabend nach dem Jubiläumsgottesdienst aus beruflichen Gründen den Taktstock nieder (Tapo berichtete).
Viele der Chor-Mitglieder könnten ihre Eltern oder Großeltern sein, dennoch habe man sie damals vor zehn Jahren ohne Vorbehalte mit offenen Armen aufgenommen und als Chorleiterin akzeptiert. Der Chor sei in moderner Sprache ausgedrückt „innovativ“.
„Ihre engagierte Leitung hat den Chor zu dem gemacht was er heute ist“, blickte Wolfgang Frey, Vorsitzender des Kirchenchors, auf die 80-jährige Geschichte der Gemeinschaft zurück. Der Chor wurde am 30. November 1920 gegründet und nach Ende der Diktatur des Dritten Reiches 1946 von Pfarrer Wilhelm Wolf wiedergegründet.
Als Jutta Kühn die Leitung übernahm, hatte der Chor dreistimmig angefangen. Inzwischen singt der Kirchenchor auch vierstimmig. Davon konnten sich die Gäste des musikalischen Jubiläumsgottesdienstes am Sonntagabend in der protestantischen Kirche selbst ein Bild machen. Besser hätte das 80-jährige Bestehen der Sängergemeinschaft nicht gefeiert werden können. Nach einem Orgelspiel und einer Predigt von Pfarrer Frank Maertin erhallten im Kirchenschiff Lieder wie „Mache dich auf, werde Licht“, „Stehet auf“ und als Gemeindelied „Es kommt ein Schiff geladen“.
Zur Geburtstagsfeier des Chors waren zahlreiche Freunde, wie die Solistinnen Dorothee Dorsch und Isabelle Heintz und befreundete Vereine gekommen, um mit einem musikalischen Arrangement zu gratulieren. Der katholische Kirchenchors intonierte „Liebes Herz, bedenke doch“, der Klangbogen unter Leitung von Wolfram Blank wartete mit dem Spiritual „I’m gonna sing“ auf.
Ebenfalls mit von der Partie: die Bläsergruppe des Musikvereins unter Leitung von Thomas Gast. In Sachen Musik halten die Chöre zusammen und präsentierten gemeinsam „Hoch tut euch auf“ zum Ende des Gottesdienstes.
Jutta Kühn, Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Grund- und Hauptschule in Germersheim, wird dem Kirchenchor weiter mit Ratschlägen beistehen. Sie musste als Chorleiterin nun aufhören, weil sie ein zweijähriges, berufsbegleitendes Schulmanagement-Studium absolvieren wird. Musik macht sie bereits von Kindesbeinen an.
Erst-Veröffentlichung: Speyerer Tagespost, 12. Dezember 2000
Zweit-Veröffentlichung: British Newsflash Magazine, August 2007

"Im Rollstuhl können wir nicht bedienen" – Karneval: Viel Freude und viel Arbeit

MKV Eröffnungsball in Mechtersheim
Hinter den Kulissen: 36 Stunden im Dauereinsatz, damit andere gut feiern können:
„Im Rollstuhl können wir nicht bedienen“
Karneval: Viel Freude und viel Arbeit

VON ANDREAS KLAMM
Mechtersheim. Mehrere hundert Besucher bewiesen beim Eröffnungsball des Mechtersheimer Karnevalvereins (MKV) ihren guten Stil und Geschmack für Musik und schwangen bis früh in die Morgenstunden zu einem breiten, musikalischen Repertoire der , Speyerer Band „Soul Dance´n More“ das Tanzbein. Die Musik bewegte ohne Zweifel nicht nur Herz und Seele des anspruchsvollen Publikums im niveauvoll geschmückten Saal des Drei-Sterne-Hotels „Pfälzer Hof“ in Mechtersheim bei Speyer. Im Ambiente des „wildens Westens“, schöner Indianer- Frauen und „harten Jungs“ mit Colts, stellte der Sitzungspräsident Markus Weis, er führte als Moderator durch den Abend, das Motto der Kampagne 2005/2006 vor: „Rauchende Colts und dreifach Hellau. Wilder Westen beim MKV…“. Weis ist bereits seit sechs Jahren Sitzungspräsident.
Während die einen Menschen richtig gut ausgelassen feiern, sind Dutzende andere Menschen mit viel Arbeit hinter den Kulissen damit beschäftigt, zum Gelingen der Karnevalssaison beizutragen. „Im MKV gibt es 90 aktive Karnevalisten, alle aus dem Ort und der Region“, informierte Markus Weis, „die in monatelangen Vorbereitungen viel Kraft und Fleiß reinstecken, damit die Saison gut wird.“
Zum guten Gelingen tragen nicht nur die aktiven Karnevalisten des rund 400 Mitglieder zählenden MKV bei, sondern auch nahezu ein Dutzend Kellner und Kellnerinnen. Das Publikum, ist während des mehrstündigen Eröffnungsballes nicht nur tanzfreudig, sondern auch sehr durstig und hungrig.
Auch das bereitet Freude bei Berufs-Kellnerin Jutta Reh. Sie arbeitet seit 1979 im Beruf: „Ich bediene gerne, weil Kellnern für mich nicht nur Beruf , sondern auch Berufung ist.“ Dabei haben sie und das Gastro-Team alle Hände voll zu tun: „Ist das Pils schon fertig? Cappuccino geht gleich raus, den gemischten Salatteller an Tisch 2“, koordiniert sie während eines Interviews die Einsätze ohne Hast und Eile. „Gerade bei schwierigen Gästen ist Diplomatie ganz wichtig. Man muss die Ruhe bewahren, höflich und freundlich bleiben.“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.
36 Stunden im Dauereinsatz bei Großveranstaltungen in der Stadthalle
„Mir macht mein Beruf Freude und ich würde ihn immer wieder lernen.“ Zu Karneval mache es ihr immer Spaß zu arbeiten. „Es gibt schöne Musik und es ist immer was los.“. Es kann aber auch schon mal „stressig“ werden: „Ich war im Karneval schon mal 36 Stunden am Stück im Einsatz.“
In der Stadthalle erlebte sie Ballveranstaltungen, die morgens zwischen 5 und 6 Uhr zu Ende sind. Um 8 Uhr kamen die nächsten 1200 Gäste, da hatte ich gerade mal noch Zeit, um kurz zu duschen und für eine Tasse Kaffee.“ Heute ist sie „nur „ rund zwölf Stunden im Einsatz.
„Jede Veranstaltung und jeder Arbeitseinsatz hat seine Reize“, ergänzt sie. „Zur guten Musik gehe ich beschwingt mit dem Tablett durch die Reihen“, beschreibt sie ihre Arbeits- und Überlebens-Taktik. Allerdings zum Feiern im Karneval bleibe kaum Zeit: „Wir sind immer an der Basis und an der Front“, erklärte Jutta Reh. Vom Putzlappen bis zur Gabel müsse alles organisiert werden. Mit Frechheiten von Gästen weiß sie gut umzugehen: „Es ist wichtig alles super zu regeln ohne, dass dabei ein böses Wort fällt.“, empfiehlt sie. Nach 12 Stunden oder mehr knochenharter Arbeit gönnt sie sich auch mal ein Fußbad. „Das muss einfach sein, im Rollstuhl können wir nicht mehr bedienen“, meint sie.
Marco Doerner ist Kellner-Azubi im dritten Lehrjahr. „Viele, viele Getränke sind auf einer Großveranstaltung, wie dieser auszugeben.“. Bei Festen, wie heute, ist er, weil noch Azubi „nur“ zwischen acht und zehn Stunden im Dienst. „Karneval ist schon groß geschrieben in meiner Familie, aber es bleibt mir keine Zeit zu feiern.“, beschreibt er seine ersten Erfahrungen. „Zwischendurch muss man sich mal etwas strecken, luftdurchlässiges Schuhwerk mit Luftpolstern, und spezielle Strümpfe für den Gastro-Service tragen. Das hilft sehr, sonst „rauchen“ die Füße.“, empfiehlt der Azubi. „Ich will später mal ein eigenes Hotel eröffnen.“, hofft er.
Die Tanz- und Choreographie-Trainerinnen für Garde- und Schautanz, Ivonne Bresch und Tanja Bentz wissen ebenso was viel Einsatz bedeutet. Sie waren mit viel Arbeit damit beschäftigt, die Garde-Tänzerinnen und das Elferrat-Ballett im Indianer-Kostüm auf die Tanzdarbietung vorzubereiten: „Wir trainierten seit April für diesen Tanz. Fünf neue Garde-Tänzerinnen galt es vorzubereiten, weil fünf erfahrene Tänzerinnen wegen ihres Studiums nicht mitmachen konnten.“
Unter den zahlreichen prominenten Feiernden im Pfälzer Hof befand sich auch Bürgermeister Manfred Scharfenberger: „Es war ein schöner Abend. Es war eine runde Sache, wie der Elferrat, die Garde und der Narrenchor das Motto der Kampagne präsentierten.“ Für ihn ist Karneval ist eine schöne Nebensache: „Das Dorfgeschehen wird auf die Schippe genommen und von einer anderen Seite gesehen. Es macht einfach Spass !“
Spannend wird es garantiert in den Prunksitzungen, mit meist weit mehr als 350 Gästen: „Es kommt schon was Heftiges mit spitzen Formulierungen. Zuhören lohnt sich auf jeden Fall.“, blickte Erich Miller, zweiter Vorstand des MKV, voraus. Er wird das politische Zeitgeschehen beleuchten. Der hauseigene MKV-TV-Kamera-Mann, Adam Norfing, wurde neben vielen weiteren Ehrengästen mit einem Orden für seine Verdienste ausgezeichnet: „Es war sehr gut, ich war zufrieden.“
Alle Photos: von Andreas Klamm, weitere Photos bei Anfrage erhältlich.
Erst-Veröffentlichung: Speyerer Morgenpost, 16. November 2005
Zweit-Veröffentlichung: IFN d734 News Magazine, Karneval-Regional, November 2005
Dritt-Veröffentlichung: British Newsflash Magazine, August 2005